24. November 2020 | Bemerkungen zur aktuellen Situation

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Liebe Anbieter, liebe Mitglieder,

„Der Rehasport ist in ansonsten geschlossenen Fitnessstudios und Sportvereinen zulässig“ … schreibt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.

REHASPORT IST [EBEN] KEIN SPORT!

Diese Klarstellung, so selbstverständlich sie für manche und gleichzeitig kontrovers für andere erscheint, ist ein riesiger Erfolg. Ja, der Rehasport nutzt die Mittel des Sports, aber er ist weit mehr als nur die reine Verbesserung der motorischen Grundeigenschaften. Die physische und psychische Belastbarkeit steigen, Mobilität und somit Selbstbewusstsein sowie Selbstwertgefühl kehren zurück. Die Rehasportler stabilisieren ihre Gesundheit, vermeiden Einsamkeit und bleiben Teil der Gesellschaft.
 
Es geht beim Rehasport somit vordergründig um Gesunderhaltung und Rehabilitation, genau jene beiden, vom Gesetzgeber letzte Woche explizit benannten, „hochrangigen Schutzgüter“. 
 
(Fast) alle Bundesländer haben sich dieser Auffassung inzwischen angeschlossen, klassifizieren den Rehasport als „erforderliche medizinische Behandlung" und ermöglichen damit die weitere Durchführung von Gruppen.

VERANTWORTUNG + SELBSTVERSTÄNDNIS

Es gibt eine legitime Diskussion darüber, ob es nicht verantwortungslos sei, Rehasport derzeit anzubieten. Die Teilnahme von Älteren und Patienten mit Vorerkrankungen sind für sich genommen jedoch noch keine Rechtfertigung Rehasportgruppen einzustellen. Es kommt vielmehr darauf an, ob und wie den Risiken begegnet wird. 
 
Auch der Gesetzgeber ist sich dessen bewusst und fordert von den Dienstleistungen zur Gesunderhaltung und Rehabilitation gerade strenge Schutz- und Hygienekonzepte. V.a. die Einhaltung des Abstands mit selbstverständlichem Verzicht auf Partnerübungen sowie regelmäßiges Lüften sind die Grundpfeiler der Corona-Schutzmaßnahmen und durch die Übungsleiter ebenso leicht wie konsequent umzusetzen.
 
Da es im Rehabilitationssport keine Bedarfsplanung gibt, ist niemand verpflichtet, Rehasportgruppen offen zu halten. Jeder Rehasportanbieter muss sich jedoch bewusst sein, dass er als Leistungserbringer auch eine Verantwortung u.a. gegenüber den Versicherten trägt, die an den Gruppen teilnehmen wollen, weil sie davon profitieren. „Pauschal“ und „vorschnell“ die Durchführung aktuell abzulehnen, stärkt nicht unsere gemeinsame Position. 

ERFOLGE + WINDMÜHLEN

Wir sind stolz darauf, den von den Kassen bezahlten Tele-/Online Rehasport mit aus der Taufe gehoben zu haben. Die sozialrechtliche Begründung, warum es sehr wohl für die Krankenkassen eine Rechtsgrundlage für eine temporäre Erhöhung der Vergütung gibt, stammt aus unserer Feder. Bei der Einordnung von Rehasport als „erforderliche medizinische Behandlung“ sind wir maßgeblich beteiligt.
 
Wir sind realistisch genug, einzuschätzen, dass das alles die aktuellen wirtschaftlichen Verwerfungen nicht kompensieren kann. Es ist auch richtig, dass nicht alles optimal ist, es könnte mehr (v.a. Geld) sein, manches ist sicher zu bürokratisch.
 
Bedauerlich ist, dass viele beteiligte Krankenkassen und Verbände nicht an einem Strang ziehen. Die teils sehr mühsame Diskussion zu den vorübergehenden Vergütungserhöhungen, die aktive Gegenwehr gegen den Online Rehasport und die Empfehlungen, den Rehasport, trotz Erlaubnis durch die Politik, auf alle Fälle einzustellen, haben uns sehr überrascht.
 
Umso mehr freuen wir uns, dass es durchaus auch einige Organisationen und Kostenträger gibt, die gerade in diesen Zeiten unkompliziert und emphatisch handeln. Vielen Dank dafür!

ZUKUNFT + PERSPEKTIVE

Die Pandemie wird uns noch länger, aber wohl auch nicht für immer begleiten. Die angekündigten Impfstoffe sind sicher mehr als ein Hoffnungsschimmer. Bis dahin müssen wir alle durchhalten. Das gilt auch für uns. Entgegen der irrigen Auffassung einzelner, wir seien so etwas wie eine Behörde, sind auch wir grundsätzlich „sterblich“. Als steuerlich privilegierter, aber nicht gemeinnütziger und nicht körperschaftssteuerpflichtiger Berufsverband qualifizieren wir uns faktisch für kein derzeit aufgelegtes Hilfsprogramm. Wir kämpfen, so wie sicherlich auch viele von Ihnen, und sind überzeugt, dass die Pandemie auch ein Ende hat und alles gut wird. 
 
Auf alle Fälle werden wir uns weiterhin für Sie und unseren Rehasport stark machen. Wir können nicht immer helfen und leider auch nicht zaubern, Ihnen auf alle Fälle zuhören geht jederzeit!
 
Persönlich habe ich mich über die zahlreichen aufmunternden, unterstützenden und unsere Arbeit wertschätzenden Mails in den letzten Wochen sehr gefreut.
 
Bleiben Sie gesund und halten Sie durch!
 
Viele Grüße aus Berlin
 
Thomas Roth
Vorsitzender des Vorstands

1 Kommentar

  • Demes

    Sehr geehrter Herr Roth,
    als Inhaberin eines Fitness-und Gesundheitsstudios, welches auch den Rehasport anbietet, muss ich Ihnen widersprechen. Ich persönlich finde es in der Tat unverantwortlich mit einer Gruppe, die zu min. 70% der Risikogruppe angehört im geschlossenen Raum Sport durchzuführen.
    Lasse ich meine persönliche Meinung außen vor, finde ich es absolut nicht nachvollziehbar sämtliche Sportangebote zu verbieten und gleichzeitig den Rehasport zu erlauben. Denn die Begründung dies zu tun, trifft doch wohl für alle zu. Bewegungsmangel und die soziale Isolation trifft jeden. Hier mit zweierlei Maß ran zu gehen ist verheerend. Die getroffen Maßnahmen sollen zu einer absoluten Einschränkung der Kontakte führen. Im privaten darf ich mich mit lediglich 5 Personen aus zwei Haushalten treffen, aber im Rehasport ist es nicht bedenklich, diese Regel vollkommen außer Gefecht zu setzen? Wie soll so eine Akzeptanz für Maßnahmen entstehen?
    Und jetzt zur Praxis. Obwohl der Rehasport erlaubt ist, wird er so gut wie gar nicht ( zumindest hier in Bonn und Umgebung) durchgeführt! Warum? Weil das Unverständnis überwiegt und weil das Angebot kaum angenommen wird. Die Kurse sind leer. Die Teilnehmer haben Angst, sie haben teilweise eine Empfehlung ihrer Ärzte nicht zu kommen.
    Das Beste: durch die Möglichkeit den Rehasport anzubieten fallen Studios durch das Raster die Novemberhilfe zu beantragen. Lag der Umsatz 2019 bei über 20% hat man Pech gehabt. Und als betroffenes Studio kann ich Ihnen gar nicht sagen wie unfassbar ärgerlich dieser Umstand ist. Ausgerechnet der Rehasport
    führt zu einer Sperre bei der staatlichen Unterstützung. Das durch Corona die Rehasportumsätze in diesem Jahr nicht annähernd zu vergleichen sind mit denen von 2019 spielt natürlich keine Rolle.
    Selbst wenn wir den Rehasport wieder aufnehmen würden, können wir froh sein die Kosten zu decken. Das der Rehasport den Kostenapparat des gesamten Studios abdecken soll, ist mehr als ein schlechter Witz.
    Und noch etwas persönliches : Trainer in die Situation zu bringen, trotz aller persönlichen Einschränkungen, inkl. einer Empfehlung sich vor Weihnachten zu isolieren um die eigene Familie zu sehen, mit einem guten Gefühl den Rehasport zu leiten, finde ich moralisch fraglich.

    Bleiben Sie gesund,
    Vanessa Demes

    Demes Mittwoch, 02. Dezember 2020 13:18 Kommentar-Link

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